Sunday, 27 May 2018

Wir sind nur noch fünf Wochen in Neuseeland. Und dann noch zwei in Australien und drei auf Bali. Und alle sagen zu mir “Genieße die restliche Zeit.”

Aber wie geht das? Wie genießt man? Wenn man sich einfach nur leer und kalt und völlig müde und energielos fühlt? Wenn man total schnell genervt von allem ist und einfach keine Menschen mehr sehen kann, wenn man einfach mal Zeit für sich alleine braucht, die man aber nie bekommt? Wenn man noch monatelang davon entfernt ist, die eine Person wiederzusehen, die einen besser fühlen lässt?

Keep telling me that it gets better. Does it ever? Help me. It’s like the walls are caving in. Sometimes I feel like giving up, no medicine is strong enough. Someone help me. I’m crawling in my skin.

Ich weiß manchmal wirklich nicht, wie ich weitermachen soll. Wie lange ich noch weitermachen kann, bis ich zusammenbreche.

Nachts kann ich nicht schlafen, morgens komme ich nicht aus dem Bett. Manchmal denke ich, ich fange gleich an zu weinen, wenn ein neun Stunden Arbeitstag vor mir liegt und ich wirklich nicht weiß, wie ich ihn bewältigen soll.

Jetzt sollte ich eigentlich auch schlafen, aber ich kann nicht. Es sind so viele Gedanken in meinem Kopf. Normalerweise versuche ich sie zu verdrängen, indem ich an J denke, aber in den letzte Tagen sind die anderen Gedanken stärker.

Die Gedanken, dass ich wahrscheinlich niemals richtig glücklich sein werde, egal was ich mache. Dass ich es nie hinbekommen werde, meine sozialen Ängste zu überwinden. Dass ich niemals jemanden finden werde, der mich liebt, so wie ich bin. Depressiv, sozial gestört, nicht schön anzusehen, nicht lustig oder intelligent.

Ich glaube, ich werde irgendwann komplett verrückt. Ich glaube irgendwann kommt der große Zusammenbruch und ich werde in die Psychiatrie eingewiesen. Gott, ich vermissen meinen Psychologen. Vielleicht sollte ich ihm eine Email schreiben. Auch wenn ich eigentlich nicht mehr seine Patientin bin.

Jedenfalls weiß ich einfach nicht wie ich es hier “genießen” soll, wenn ich fast nur negative Dinge sehe.

Aber die Sache ist, wenn ich nach Hause komme, wird es nur für eine kurze Zeit besser. Dann muss ich ausziehen. Ich werde dort keinen kennen, so wie ich bin auch keine neuen Freunde finden, und mich von meinen alten Freunden entfernen, wenn so viele Kilometer zwischen uns liegen und wir alle in verschiedene Richtungen gehen.

Dann bin ich ganz alleine, ich habe niemanden, der mich pusht und dazu bringt, nicht in meiner Wohnung zu versauern und den ganzen Tag nur im Bett zu liegen.

Wie soll ich jemals aus diesem Loch rauskommen?

Friday, 25 May 2018

Ich hab Kopfschmerzen. Keine schlimmen, aber es nervt trotzdem. Und meine Mitbewohnerin kaut viel zu laut auf ihrem Kaugummi herum.

Ich sitze hier in der Ecke des Zimmers und habe nichts zu tun. Wir wissen noch nicht, ob wir arbeiten können oder nicht, weil es wieder die ganze Nacht geregnet hat.

Gestern war kein guter Tag. Morgens mussten wir eine Weile warten, bis wir anfangen konnten zu arbeiten und beide Teams standen in Kleingruppen auf der Wiese rum und haben sich unterhalten. Wie immer stand ich einfach nur schweigend neben L, hab manchmal gelächelt, gelacht, einen dem Thema angemessenen Gesichtsausdruck gemacht. Und irgendwann hat L gesagt: „Und du so? Willst nichts sagen? Du stehst hier nur rum wie ein Stein?“ Und sie hat gelacht. Ich musste Tränen unterdrücken.

“Was soll ich denn sagen?“, meinte ich und drehte meinen Kopf weg, damit sie die Tränen in meinen Augen nicht sah.

„Keine Ahnung, du könntest deine Meinung mit einbringen. Aber stehst hier nur stumm.“

“Ich kann auch gehen“, sagte ich und versuchte zu lachen, es wie einen Scherz klingen zu lassen.

„Neein!“

„Dann nerv mich nicht.“

„Oh entschuldigung! Ich glaube jemand ist angepisst…“

“Ja, ich bin angepisst! Du weißt ganz genau, wie schwer es für mich ist und dann musst du das nicht immer kommentieren!“

Ich wollte noch mehr sagen, aber die anderen fingen an, unsere Auseinandersetzung zu bemerken. Deshalb blieb ich still und L entschuldigte sich und fing dann eine Unterhaltung mit H an.

Sie weiß genau, wie sehr ich es hasse. Sie weiß, wie sehr ich wünschte, ich könnte normale Unterhaltungen führen, wie jeder andere Mensch. Sie weiß wie sehr ich mich selber dafür hasse, dass ich so bin. Und wenn sie solche Sachen sagt, in Momenten wo ich mir gerade überbewusst bin, wie sehr ich nicht dazu passe und für wie merkwürdig mich die anderen halten müssen, dann bewirkt das, dass ich mich noch tausendmal schlechter fühle.

Aber ich weiß, sie kann diese Dinge einfach absolut nicht nachvollziehen und weiß nicht, wie sie damit ungehen soll. Deshalb muss sie darüber scherzen. Und deshalb bin ich nicht lange sauer und später bei der Arbeit ist wieder alles gut zwischen uns.

Mein Abnehmplan läuft auch nicht so super. Ich habe dauernd Hunger und ich esse dann zwar nichts, aber man soll doch nicht hungern. Und es nervt auch total bei der Arbeit. Da brauche ich einfach Energie. Ich mache das jetzt seit fünf Tagen und bin mir nicht so sicher, ob ich nicht für die paar Wochen, die wie noch arbeiten die Strategie wechseln sollte.

Und es ist so merkwürdig: An manchen Tagen schaue ich in den Spiegel und bin total angeekelt von mir selbst und fühle mich viel zu fett. Und an anderen Tagen, denke ich mir, das ist zwar nicht meine Traumfigur aber es geht eigentlich. Es ist nicht soooo schlimm. Und ich weiß, für meine Mitmenschen sehe ich an diesen einen Tagen genau gleich aus, wie an den anderen.

Aber ich will, wenn ich in den Spiegel schaue nur gute Tage. Richtig zufrienden mit mir selbst sein. Dieses Gefühl, nachdem ich 10 Kilo abgenommen hatte und mir alle gesagt haben, wie gut ich aussehe. Sie waren alle so begeistert, aber ich konnte nicht richtig glücklich sein. Weil ich wusste, ich habe immer noch ein paar Kilo Übergewicht, immer noch zu viel Speck am Bauch, an den Hüften, zu fette Oberschenkel. Und solange ich mich immer noch so unwohl fühle, kann ich mit den ganzen Komplimenten einfach nichts anfangen. Ich muss noch 10 Kilo mehr loswerden, bis ich  mit meinem Gewicht zufrieden bin.

Aber es ist ziemlich schwer hier in Neuseeland. Wir haben nicht sehr viel Geld und das Essen ist teuer, und wir müssen ja auch noch Benzin und Unterkünfte bezahlen. Deshalb ist es nicht so einfach mit gesunder, ausgewogener Ernährung und deshalb hatte ich das ganze Abnehmen darauf verschoben, wenn ich wieder zu Hause bin. Aber vor ein paar Tagen hab ich mir gedacht, warum noch warten? Ich will es jetzt, nicht erst in ein paar Monaten. Bis zum 1. Oktober will ich die 10 Kilo geschafft haben.

Bis dahin werde ich umgezogen sein, in eine neue Stadt wo ich keinen kenne und ich werde anfangen zu studieren. Ein ganz neuer Lebensabschnitt, in den ich mit einem neuen Ich starten möchte. Ein glücklicheres, zufriedeneres Ich.

Wednesday, 23 May 2018

Gestern Abend lag ich im Bett und konnte nicht einschlafen. Deshalb habe ich mein altes Onlinetagebuch geöffnet, um einen Eintrag zu schreiben und was sehe ich? Die Seite wird geschlossen! Okay. Schade, aber naja. Also brauchte ich ein neues Onlinetagebuch und ich habe mich für dieses entschieden.

Warum ich der Meinung bin, dass ich überhaupt ein Onlinetagebuch brauche, dass weiß ich selber auch nicht so genau. Ich habe eine Datei auf dem Laptop, die sowas ähnliches wie ein Tagebuch ist und ich habe gefühlt 50 Notizbücher für verschiedene Dinge. Aber manchmal will ich etwas schreiben, das in keine der Notizbuchkategorien passt und in das Dokument auch nicht wirklich. Und dann nehme ich einfach das Onlinetagebuch.

Deshalb wird es hier nicht nur um ein bestimmtes Thema gehen, sondern um alles Mögliche. Und wie regelmäßig die Einträge kommen werden, kann ich auch nicht wirklich vorraussehen.

Ich bin nämlich grade in Neuseeland und momantan arbeite ich neun Stunden pro Tag, sieben Tage pro Woche (solange es nicht regnet) und selbst wenn ich nicht mehr arbeite, werde ich genug anderes zu tun haben und das Internet wird auch nicht immer ausreichen, um zu schreiben. Aber es wird sicher auch genug Tage geben, an denen ich es hinbekommen werde, einen Eintrag zu verfassen. So wie heute, zum Beispiel.

Es reget. Und bei Regen oder wenn die Kiwis zu nass sind, können sie nicht gepflückt werden. Das ist mein Job: Kiwipflückerin. Seit ein paar Wochen und noch bis zum 10. Juni. Ich würde sagen, Spaß ist was anderes, aber naja, die Bezahlung ist ganz gut und wir brauchen definitiv Geld, nachdem unser Auto grade für 1000 Dollar in der Werkstatt war.

Deshalb ist es eigentlich blöd wenn es regnet, weil dann bekommen wir kein Geld. Und wir mussten in den letzten beiden Tagen schon früher abbrechen wegen dem Wetter. Und am Tag davor haben alle ungefähr 200 Dollar gemacht, nur ich nicht. Ich lag mit Migräne im Bett. Yey.

Aber ich bin heute nicht mal sooo traurig, keine Arbeit zu haben, denn ich hab seit bestimmt einer Woche eine Erkältung und der Schnupfen wird immer schlimmer. Also ich sage nicht Nein zu noch einem Tag im Bett.

Vielleicht unternehmen wir später noch was, vielleicht auch nicht. Ich meine, das Wetter ist total scheiße und wir wollen eigentlich so wenig Geld wie möglich ausgeben.

„Wir“ sind meine beste Freundin L und ich. Und sie ist zwar schnell gelangweilt, wenn wir den ganzen Tag nur auf unserem Zimmer sind, aber sie hat auch keine Lust, ins Museum oder die Kunstgallerie zu gehen. Und was soll man hier sonst kostenloses machen, bei diesem Regen?

Naja, eine Weile wird sie noch mit Netflix schauen zufrieden sein. Ich versuche jetzt noch ein bisschen zu schlafen und mich zu erholen und ich hoffe, ich bin bald diese schreckliche Erkältung los.