Friday, 25 May 2018

Ich hab Kopfschmerzen. Keine schlimmen, aber es nervt trotzdem. Und meine Mitbewohnerin kaut viel zu laut auf ihrem Kaugummi herum.

Ich sitze hier in der Ecke des Zimmers und habe nichts zu tun. Wir wissen noch nicht, ob wir arbeiten können oder nicht, weil es wieder die ganze Nacht geregnet hat.

Gestern war kein guter Tag. Morgens mussten wir eine Weile warten, bis wir anfangen konnten zu arbeiten und beide Teams standen in Kleingruppen auf der Wiese rum und haben sich unterhalten. Wie immer stand ich einfach nur schweigend neben L, hab manchmal gelächelt, gelacht, einen dem Thema angemessenen Gesichtsausdruck gemacht. Und irgendwann hat L gesagt: „Und du so? Willst nichts sagen? Du stehst hier nur rum wie ein Stein?“ Und sie hat gelacht. Ich musste Tränen unterdrücken.

“Was soll ich denn sagen?“, meinte ich und drehte meinen Kopf weg, damit sie die Tränen in meinen Augen nicht sah.

„Keine Ahnung, du könntest deine Meinung mit einbringen. Aber stehst hier nur stumm.“

“Ich kann auch gehen“, sagte ich und versuchte zu lachen, es wie einen Scherz klingen zu lassen.

„Neein!“

„Dann nerv mich nicht.“

„Oh entschuldigung! Ich glaube jemand ist angepisst…“

“Ja, ich bin angepisst! Du weißt ganz genau, wie schwer es für mich ist und dann musst du das nicht immer kommentieren!“

Ich wollte noch mehr sagen, aber die anderen fingen an, unsere Auseinandersetzung zu bemerken. Deshalb blieb ich still und L entschuldigte sich und fing dann eine Unterhaltung mit H an.

Sie weiß genau, wie sehr ich es hasse. Sie weiß, wie sehr ich wünschte, ich könnte normale Unterhaltungen führen, wie jeder andere Mensch. Sie weiß wie sehr ich mich selber dafür hasse, dass ich so bin. Und wenn sie solche Sachen sagt, in Momenten wo ich mir gerade überbewusst bin, wie sehr ich nicht dazu passe und für wie merkwürdig mich die anderen halten müssen, dann bewirkt das, dass ich mich noch tausendmal schlechter fühle.

Aber ich weiß, sie kann diese Dinge einfach absolut nicht nachvollziehen und weiß nicht, wie sie damit ungehen soll. Deshalb muss sie darüber scherzen. Und deshalb bin ich nicht lange sauer und später bei der Arbeit ist wieder alles gut zwischen uns.

Mein Abnehmplan läuft auch nicht so super. Ich habe dauernd Hunger und ich esse dann zwar nichts, aber man soll doch nicht hungern. Und es nervt auch total bei der Arbeit. Da brauche ich einfach Energie. Ich mache das jetzt seit fünf Tagen und bin mir nicht so sicher, ob ich nicht für die paar Wochen, die wie noch arbeiten die Strategie wechseln sollte.

Und es ist so merkwürdig: An manchen Tagen schaue ich in den Spiegel und bin total angeekelt von mir selbst und fühle mich viel zu fett. Und an anderen Tagen, denke ich mir, das ist zwar nicht meine Traumfigur aber es geht eigentlich. Es ist nicht soooo schlimm. Und ich weiß, für meine Mitmenschen sehe ich an diesen einen Tagen genau gleich aus, wie an den anderen.

Aber ich will, wenn ich in den Spiegel schaue nur gute Tage. Richtig zufrienden mit mir selbst sein. Dieses Gefühl, nachdem ich 10 Kilo abgenommen hatte und mir alle gesagt haben, wie gut ich aussehe. Sie waren alle so begeistert, aber ich konnte nicht richtig glücklich sein. Weil ich wusste, ich habe immer noch ein paar Kilo Übergewicht, immer noch zu viel Speck am Bauch, an den Hüften, zu fette Oberschenkel. Und solange ich mich immer noch so unwohl fühle, kann ich mit den ganzen Komplimenten einfach nichts anfangen. Ich muss noch 10 Kilo mehr loswerden, bis ich  mit meinem Gewicht zufrieden bin.

Aber es ist ziemlich schwer hier in Neuseeland. Wir haben nicht sehr viel Geld und das Essen ist teuer, und wir müssen ja auch noch Benzin und Unterkünfte bezahlen. Deshalb ist es nicht so einfach mit gesunder, ausgewogener Ernährung und deshalb hatte ich das ganze Abnehmen darauf verschoben, wenn ich wieder zu Hause bin. Aber vor ein paar Tagen hab ich mir gedacht, warum noch warten? Ich will es jetzt, nicht erst in ein paar Monaten. Bis zum 1. Oktober will ich die 10 Kilo geschafft haben.

Bis dahin werde ich umgezogen sein, in eine neue Stadt wo ich keinen kenne und ich werde anfangen zu studieren. Ein ganz neuer Lebensabschnitt, in den ich mit einem neuen Ich starten möchte. Ein glücklicheres, zufriedeneres Ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.