Thursday, 14 June 2018

Wir sind jetzt seit Dienstag wieder am Reisen und es wurde auch echt Zeit. Es geht mir auch viel besser dadurch. Wenn ich jeden Tag etwas anderes sehe und jeden Tag etwas anderes tue und keine Zeit habe, zu sehr in meinen Gedanken zu versinken.

Aber Campingplätze hasse ich immer noch. Nicht, weil es halt kein Luxushotel ist, sondern weil die Toiletten und Duschanlagen und Küchen meistens alle so offen sind und jetzt im Winter ist es dann überall so kalt drin und im Auto ist es eben auch kalt und man kann nirgends hingehen, um sich aufzuwärmen und manchmal fühle ich mich, als würde mir nie wieder warm werden.

Ich weiß nicht, ich komme ganz schlecht mit Kälte klar. Aber mit einem Schlafsack, drei Decken und zwei Wärmflaschen geht es schon irgendwie.

Wir haben ja auch nur noch weniger als drei Wochen in Neuseeland und ich hoffe, in Australien wird es wenigstens ein kleines bisschen wärmer.

Eigentlich wollen wir auch jetzt Australien planen, aber L schreibt noch in ihr Tagebuch und ich schreibe hier und ich wollte auch eigentlich schon im Bett liegen. Aber ich habe noch so lange mit meiner Mutter gefacetimed, weil zu Hause mal wieder mega Stress ist. Manchmal fühle ich mich, als wäre ich die einzige, die die anderen wieder zur Ruhe und Vernunft bringen kann und wenn ich nicht da bin, drehen alle durch. Natürlich versuche ich auch von hier aus zu helfen, aber es ist ein bisschen schwierig nur über Facetime und wenn die Verbindung dauernd abbricht und wenn ich meistens nur den Standpunkt meiner Mutter genau mitbekomme.

Aber naja, sie sind erwachsen, sie sollten es auch ohne mich hinbekommen.

Ein weiterer Punkt der mich beschäftigt, ist mal wieder J. Irgendwie antwortet er in letzter Zeit kaum noch und schreibt auch sonst relativ wenig und ich weiß nicht, was los ist. Ich hoffe, dass er einfach nur total viel arbeitet und deshalb zu müde und gestresst ist, um mir dauernd zu schreiben. Aber ich habe Angst, dass ich ihm wirklich zu sehr auf die Nerven gehe oder irgendwas falsches gesagt habe, ohne es zu merken.

Aber auch an diese Sache denke ich unterwegs viel weniger, als ich es zu Hause oder an der Arbeit tun würde und das ist auch gut so. Ich habe keine Lust auf Jungsdrama und Herz schmerz oder was auch immer.

L und ich verstehen uns seit wir weiterreisen wieder richtig gut. Es ist eigentlich immer so, wenn wir nur aufeinander hocken und nichts tun für lange Zeit, dann gehen wir uns irgendwann richtig auf die Nerven. Aber sobald wir wieder etwas zu tun haben und unsere Sinne mal wieder mit was anderem beschäftigen können, als nur mit dem jeweils anderen, dann ist alles wieder gut. Wir sind dauernd am Lachen und scheiß machen und reden die Nächte durch.

Also jaaa, ich vermisse zwar immer noch total meine Schwester und meine Mama und mein Zuhause und die Wärme, aber sonst ist im Moment alles relativ gut.

Monday, 4 June 2018

Heute geht es mir ganz gut. Die letzte Woche war schwer, aber jetzt hatten wir zwei Tage Pause und ich konnte mich regenerieren.

Während der Arbeit und wenn ich im Bett liege und eigentlich auch sonst immer, denke ich viel über J nach.

Ich frage mich, wie ich näher an ihn herankommen soll. Ich möchte ihn kennenlernen, alles von ihm wissen.

Er scheint so interessiert, stellt viele Fragen, wirkt nie genervt von mir. Obwohl ich davor große Angst habe, denn ich erzähle ihm wirklich viel. Dinge, die ihn vielleicht gar nicht interessieren. Während er nicht viel von sich preisgibt. Er antwortet, wenn ich Fragen stelle, aber selten erzählt er etwas von sich aus.

Neulich hat er aber mal nach meinem Rat zu einer persönlichen Angelegenheit gefragt. Das hat mich glücklich gemacht. Für einen kurzen Moment. Denn es hat mich auch daran erinnernt, wie wenig ich über ihn und sein Leben weiß und wie viel er über mich.

Ich habe Hoffnung, dass es besser wird, wenn ich wieder in Deutschland bin. Vielleicht können wir uns treffen, vielleicht können wir uns persönlich kennenlernen.

Auf der anderen Seite, ist das wirklich eine gute Idee? Die Chancen, dass er mich nicht so sehr mag wie ich ihn sind hoch. Und ich weiß ich will mehr, als nur gute Freunde sein. Und ich weiß nicht, ob ich schon wieder in dieser Situation sein kann, oder ob es zu viel wird. Und wenn wir nur locker befreundet sind so wie jetzt, dann werden meine Gefühle vielleicht nicht so intensiv und dann wird es nicht so wehtun.

Manchmal denke ich, er könnte mich vielleicht doch so mögen. Manchmal ist er so unfassbar süß. Aber würde er nicht schon nach meiner Nummer gefragt haben oder wenigstens deutlichere Signale senden? Er ist nicht wirklich der schüchterne Typ. Aber vielleicht wartet er auch, bis ich wieder zu Hause bin? Weil es macht eh keinen Sinn, jetzt irgendwas anzufangen, wenn ich noch zwei Monate am Reisen bin.

Aber wahrscheinlicher ist es, dass ich für ihn nur eine weitere normale Freundin bin. Er hat sooo viele weibliche Freunde. Zumindest kommt es mir so vor.

Ja okay, er schreibt mir mehr als L und redet auch über mehr persönliches mit mir. Und als ich L gebeichtet habe, dass ich unter Umständen auf ihn stehen könnte, meinte sie, er hätte mich auch immer „so angeguckt“. Was auch immer das bedeuten mag.

Aber lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe keine Ahnung, was er über mich denkt. Alles ist möglich.

Was ich über ihn denke, weiß ich hingegen ganz genau. Ich habe am Anfang lange dagegen angekämpft, aber in Prinzip wusste ich schon nach unserem ersten Gespräch, dass ich keine Chance gegen meine Gefühle haben werde.

Er ist nicht der schönste oder heißeste Kerl, den ich je gesehen habe, aber er hat auf jeden Fall etwas besonders. Und besonderen Dingen konnte ich noch nie wiederstehen. Diese wunderschönen, dezenten Sommersprossen, der total süße Dialekt und dass er meinen Lieblingsnamen trägt, helfen auch nicht grade dabei, die Gefühle abzuwehren.

Und sein Charakter. Er ist süß, freundlich, lustig, intelligent, interessiert. Er macht etwas mit seinem Leben und er will sich für die Umwelt einsetzen! Was will man mehr?

Manchmal sagt er Dinge, die könnten genauso von M kommen. Die beiden haben viel gemeinsam. Viele Dinge, die ich an M so geliebt habe. Aber von Ms schlechten Seiten habe ich bei J noch nichts gesehen. Eigentlich habe ich noch überhaupt keine schlechten Seiten gesehen. Außer vielleicht, dass er sich mir nicht so sehr öffnet, wie ich es gerne hätte, aber wir kennen uns eben noch nicht so lange. Und dass er Harry Potter nicht wirklich kennt haha. Aber auch das ist ein Problem, das behoben werden kann.

Ach J, was soll ich nur machen? Ich vermisse dich und deine Kappe und wie du neben mir sitzt und Pizza zum  Frühstück isst und dein Lachen, wenn ich mal wieder irgendwas Verrücktes gesagt habe oder mich unfähig anstelle. Das Gefühl, unbedingt deinen Arm, der so eine perfekt gebräunte Farbe hat, berühren zu wollen. Oder das Gefühl, wenn deine braunen Augen genau in meine schauen, wenn du mir aufmerksam zuhörst. Diese Freude, wenn ich die Treppe runterkomme und du da stehst, gelangweilt und keine Lust mehr auf die Arbeit, aber wenn du mich siehst, schenkst du mir trotzdem ein wunderschönes Lächeln. Oder dieses Kribbeln, als wir nebeneinander auf dem Sofa sitzen und sich unsere Hände fast berühren und mein Bein leicht deins streift, wenn ich es bewege. Als sich unsere Hände berühren, wenn du mir ein Stück Wassermelone reichst und es sich anfühlt wie eine Ewigkeit, auch wenn es nur Sekunden sind.

Das alles ist schon Monate her, aber ich fühle es und sehe es vor mir, als wäre es gestern gewesen. Als wärst du nicht tausende Kilometer weit weg von mir. Und ich weiß, ich sollte dich nicht so vermissen und ich weiß, ich sollte mich nicht so sehr nach deiner Nähe sehnen und ich weiß, ich sollte nicht jetzt schon so sehr in diesen Gefühlen verwickelt sein und ich weiß, am Ende werde ich nur wieder verletzt werden.

Aber grade macht es mich so glücklich, dir zu schreiben, deinen Namen auf dem Bildschirm zu sehen, an dich zu denken. Ich möchte niemals aufhören, mit dir zu reden. Du bist so interessant. Mir dir fühlt es sich so anders an, als mit M, so viel leichter.

Und ich wünschte, du würdest auch so fühlen.  But maybe you are not the one.